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Bin ich die Kämpferin?

  • Autorenbild: Edith Danzer
    Edith Danzer
  • 2. Juli
  • 2 Min. Lesezeit

Ich wollte eigentlich nur fünf Minuten planlos auf Instagram herumscrollen. Stattdessen hat mich irgendein Archetypen-Quiz dazu gebracht, mein halbes Leben zu hinterfragen.


In dem Reel ging es um die verschiedenen weiblichen Archetypen: die Kämpferin, die Weise, die Freigeistin, die Wilde Frau, die Schöpferin.


Mein erster Gedanke? „Na gut, dann bin ich wohl die Kämpferin.“

Schließlich hat das Leben mir schon ein paar Runden im Boxring spendiert. Ungefragt, versteht sich. Ich habe lange geglaubt, genau das wäre meine größte Stärke: dass ich kämpfen kann. Heute sehe ich das anders.


Ja, ich habe in meinem Leben einige Kämpfe ausgefochten. Nicht freiwillig, sondern weil das Leben manchmal Pläne hat, nach denen niemand gefragt hat. Es gab Momente, in denen mir der Boden unter den Füßen weggezogen wurde und ich ehrlich nicht wusste, wie es weitergehen soll. Also habe ich gekämpft. Nicht, weil ich das besonders gut fand, sondern weil es für mich keine Alternative gab.

Ich erinnere mich an viele Stunden allein im Wald. Nur ich und meine Gedanken. Meine Form der Therapie. Irgendwann wurde mir dort klar, dass es für manche Dinge, wie den Schmerz, keine Abkürzung gibt. Man kann ihm nicht ausweichen, man muss hindurch. Und mit jedem Schritt ist etwas gewachsen: das Vertrauen, dass ich mich selbst tragen kann.


Aber macht mich das zur Kämpferin? Ich glaube, nein. Ich habe den Kampf nie gesucht. Eigentlich wollte ich immer etwas ganz anderes: Freiheit. Weite. Und dieses wunderbare Gefühl von Leichtigkeit, das uns das Leben manchmal schenkt.

Natürlich haben mich diese Zeiten verändert. Sie haben Spuren hinterlassen, sie haben mich manchmal an meine Grenzen gebracht und sie haben mich gezwungen, Dinge über mich zu lernen, die ich freiwillig wahrscheinlich nie entdeckt hätte. Ich bin durch diese Zeiten gewachsen und habe etwas in mir gefunden, was mir sehr wertvoll ist: Das Vertrauen in meine eigene Stärke, das Vertrauen darauf, dass ich mich selbst tragen kann.


Ich nenne diesen Teil in mir manchmal meinen kleinen inneren Superhelden. Keine spektakuläre Figur mit flatterndem Umhang. Eher einer von der stillen Sorte - aber erstaunlich verlässlich. Er erinnert mich daran, dass das Leben auch morgen wieder irgendeinen Stein auf meinen Weg legen könnte. Und dass ich die Stärke habe, ihn wieder irgendwie aus dem Weg zu räumen. Oder notfalls drüberzuklettern.

Deshalb bin ich nicht die Kämpferin. Vielleicht hat das Quiz einfach einen Archetyp vergessen: das Stehaufmännchen.

 
 
 

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