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Der Pauseknopf

  • Autorenbild: Edith Danzer
    Edith Danzer
  • 5. Juli
  • 2 Min. Lesezeit


Vor ein paar Monaten durfte ich während meiner Ausbildung zur Freien Rednerin vor allen meinen Kollegen und Ausbildnern meine erste Traurede halten.


Für diese Übungsrede lernte ich die Geschichte eines Brautpaares kennen. Ein Satz der beiden hat sich sofort in meinen Gedanken eingehakt: „Wenn es einem von uns schlecht geht, dann hat das oberste Priorität. Egal, wie weit wir voneinander entfernt sind und egal, was wir gerade tun – dann wird alles andere auf Pause gestellt. Wir kümmern uns umeinander und vermitteln dem anderen: Du bist nicht allein.“


Nicht morgen.

Nicht nach dem Termin.

Sondern jetzt.


Daraus entstand in meinem Kopf plötzlich ein Bild. Ein großer roter Pauseknopf. Wie ein Buzzer mit zwei senkrechten Strichen. Und genau dieses Bild habe ich meinen Zuhörern mitgegeben: „Dieser Satz hat mich bewegt. Und ich habe mich gefragt, wann ich das letzte Mal sofort reagiert habe. Wann ich den Pausenknopf gedrückt habe. Vielleicht kennen wir alle diese Momente. Mitten im Tun. Und jemand braucht uns. Und vielleicht braucht es genau dann diesen Pauseknopf – der in meiner Vorstellung ein knallroter Buzzer mit zwei senkrechten Strichen ist. Damit der Fokus wieder dort liegt, wo er hingehört. Beim Menschen. Den wir lieben.“


Ich habe diesen Pauseknopf während der Zeremonie allen symbolisch mit nach Hause gegeben. Mit der Einladung, ihn hin und wieder zu drücken. Dann, wenn ein Mensch, der uns wichtig ist, gerade unsere Zeit braucht.


Tage und Wochen später hörte ich noch davon, dass dieser Pausenknopf wirklich da und dort gedanklich zum Einsatz kam. Dass dieses Bild vielen im Gedächtnis geblieben ist, hat mich ehrlich berührt.


Vor ein paar Tagen lag dann ein kleines Päckchen im Briefkasten. Absenderin: meine liebe Kollegin Caro, die nach der Ausbildung längst zu einer Freundin geworden ist.

Darin lag ein echter roter Buzzer. Zwei kleine weiße Streifen machten daraus meinen Pauseknopf. Drückt man ihn, hört man Caros Stimme: „Mach einmal Pause. Sei mal für dich selbst da.“


Ich war gerührt.

Nicht nur, weil sie sich an meine Rede erinnert hat.

Sondern weil sie dem Ganzen eine zweite Bedeutung geschenkt hat.


 „Drück ihn nicht nur für andere, sondern auch einmal für dich.“ Sie wusste, dass ich gerade mitten im Tun bin. Webseite, Blog, sichtbar werden, Ideen, Termine, drei Jobs – lauter Dinge, die ich liebe. Und trotzdem Dinge, die manchmal ganz schön viel werden können. Dieser Pauseknopf steht mittlerweile auf meinem Schreibtisch. Und jedes Mal, wenn ich ihn anschaue, denke ich daran, wie weit Worte manchmal reisen können. Man spricht sie einmal aus. Jemand nimmt sie mit. Sie begleiten einen Menschen ein Stück. Und irgendwann kommen sie auf ganz unerwartete Weise wieder zurück.


Deshalb stelle ich den Pauseknopf heute einfach auch hier hin.

Vielleicht brauchst du ihn gerade.

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