Zwischen den Zeilen
- Edith Danzer

- 2. Juli
- 1 Min. Lesezeit

100 Millisekunden
So lange braucht unser Gehirn, um sich einen ersten Eindruck von einem Menschen zu bilden.
Mich hat dieser erste Eindruck nie besonders interessiert. Mich hat immer der zweite Blick gereizt.
Ich wollte auch nie die Geschichten über Menschen aus zweiter Hand hören. Ich wollte immer selbst die Fragen stellen. Ich wollte selbst die Antworten hören. Und vor allem wollte ich wissen, was zwischen den Zeilen steckt.
Viele Jahre durfte ich als Redakteurin genau das tun. Unzähligen Menschen begegnen, zuhören und feststellen, dass die eigentliche Geschichte oft erst dort beginnt, wo der vorbereitete Teil aufhört. Wenn die Schultern ein bisschen entspannter werden. Wenn ein Lächeln plötzlich echt ist und die Maske fällt. Wenn ein Satz mit „Eigentlich habe ich darüber noch nie gesprochen …“ beginnt.
Schnell habe ich verstanden, dass Menschen mir dabei nicht einfach Informationen geben. Sie vertrauen mir einen Teil ihrer Geschichte an. Und dieses Vertrauen ist für mich bis heute eines der größten Geschenke meines Berufs – gleichzeitig aber auch eine große Verantwortung, das Erzählte mit Respekt und Feingefühl zu behandeln. Denn ich möchte mit dem, was mir anvertraut wird, etwas schaffen, worin sich Menschen wiedererkennen und wohlfühlen. Einen Text, bei dem sie sagen: „Ja. Das bin ich.“ Einen, der ehrlich ist. Persönlich. Manchmal berührend, überraschend, manchmal zum Schmunzeln – aber immer echt.
Vielleicht ist das auch der Grund, warum sich mein beruflicher Weg irgendwann ganz selbstverständlich weiterentwickelt hat. Von der Redakteurin zur Freien Rednerin. Eigentlich hat sich nur die Form verändert. Ich höre noch immer zu. Ich stelle noch immer Fragen. Und ich suche noch immer nach der Geschichte zwischen den Zeilen.
Genau deshalb trägt dieser Blog seinen Namen.



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